Er ist Redakteur beim heute-journal, stammt aus Grevesmühlen und ist ab Januar das neue Gesicht der Kampagne „MV tut gut“: Peter Kranz
Grevesmühlen (OZ) - OSTSEE-ZEITUNG: Die Kampagne „MV tut gut“ hat ein neues Gesicht, und das stammt aus Grevesmühlen. Wie sind Sie zu dieser Aufgabe
gekommen?
Peter Kranz: Ich bin gefragt worden, ob ich mir diese Aufgabe vorstellen könnte. Da der bisherige Projektleiter nach Berlin geht, hat man gesucht und ist
dabei offensichtlich auf mich gekommen.
OZ: Als gebürtiger Mecklenburger?
Kranz: Als gebürtiger Mecklenburger, aber wohl auch in Erinnerung daran, dass ich viele Jahre beruflich in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs
war.
OZ: Wo leben sie heute?
Kranz: Wir leben heute in Wiesbaden, in Hessen. Ich arbeite in Mainz, in Rheinland-Pfalz, pendle täglich zwischen den Bundesländern über den Rhein — seit
fast zwei Jahren.
OZ: Was verbindet sie heute mit Mecklenburg?
Kranz: Mecklenburg-Vorpommern ist meine Heimat. Ich wurde in Grevesmühlen geboren, ging hier zur Schule. Meine Mutter lebt in der Stadt. Familie und
Freunde verbinden mich mit dem Land, aber auch die Liebe zur Ostsee, zur Weite der Landschaft. Wo ich auch gearbeitet oder gelebt habe, in Berlin, Potsdam, Mainz oder Wiesbaden — die Weite
des Nordens zieht mich immer wieder an. Als ich auf die Kampagne angesprochen wurde, ließ mich dies nachdenken, auch wegen privater Bindungen. Und ich habe gesagt: Jawohl, ich komme
zurück.
OZ: Das lässt darauf schließen, dass wir Sie künftig wieder öfter in Mecklenburg und in Grevesmühlen sehen werden?
Kranz: Das wird so sein, wenn man auch nicht mehr so oft von mir „hört“. Viele verbinden meine Stimme mit Berichten im ZDF, zuletzt im heute-journal. Ich
werde nicht so TV-präsent sein. Aber ich möchte mit der Arbeit für das Landesmarketing MV Ideen umsetzen und Gesicht zeigen — das ist
sehr spannend und reizvoll.
OZ: Ein Blick zurück, Sie haben 1989 das Abitur an der EOS Thomas Mann in Grevesmühlen abgelegt. Wie wurden Sie Journalist?
Kranz: Nach dem Abitur war ich kurzzeitig bei der NVA, bin aber schon im September 89, also ziemlich schnell wieder weg. Beim Sender Schwerin von Radio
DDR traf ich auf einen wunderbaren Chef, der sehr bürgerlich dachte und offen für mich war. Er sah mich wohl als Talent, denn er sagte: „Kommen Sie mal her, wir schauen uns das mal an.“ Das
war kurz bevor Honecker zurücktrat und der Umbruch auch die DDR-Medien erreichte. Junge, unbelastete Reporter wie ich konnten alles machen. Ich habe seither immer gearbeitet.
OZ: Aber nicht nur in Mecklenburg?
Kranz: 1991 bot mir RSH die Korrespondentenstelle in Schwerin an, 1993 fragte mich Antenne MV, ob ich Lust hätte, den Sender mit aufzubauen. Ich hatte
Lust und bin heute noch stolz darauf, dass der Laden läuft. 1997 meinte ein Kollege vom ZDF in Schwerin, jetzt müsse ich endlich mal Fernsehen lernen.
OZ: Das klingt nach einer steilen Karriere.
Kranz: Naja. Es ging halt immer weiter und irgendwann merkte ich, dass ich noch nicht studiert hatte.
OZ: Es hat ja offensichtlich auch ohne Studium funktioniert.
Kranz: Stimmt. Man traute mir zu, Verantwortung zu tragen und ich durfte mich entscheiden, was ich machen wollte. Das empfand und empfinde ich als großes
Glück. Heute kann ich sagen, ich bin seit 20 Jahren Journalist.
OZ: Wenn man für das heute-journal arbeitet, schaut man dann auch noch auf das, was in Grevesmühlen passiert?
Kranz: Ja, wenn auch nicht jeden Tag. Von meiner Mutter höre ich natürlich, worüber in der Stadt diskutiert wird. Sie ist sehr gut „vernetzt“. Ich sehe
und lese eher, was in Mecklenburg-Vorpommern und in ganz Ostdeutschland passiert, was sich entwickelt.
OZ: Wann hatten Sie das letzte Klassentreffen in Grevesmühlen?
Kranz: Mit meiner Abiturklasse. Das ist Jahre her. Seitdem leider nicht mehr.
OZ: Wenn Sie die Entwicklung ehemaliger Mitschüler sehen, die Wende hat doch deutliche Spuren hinterlassen.
Kranz: Einige sind in der Gegend geblieben. Viele sind Richtung Westen gezogen, haben dort Beruf und Familie.
OZ: Ist vielleicht auch das mit ein Grund, weshalb Sie sich in der Kampagne „MV tut gut“ engagieren, um die Menschen wieder zurück ins Land zu
holen?
Kranz: Ja, wenn das ginge, wäre es schön. Mecklenburg-Vorpommern ist ein großartiges Land. Davon allein aber können wir uns noch nichts kaufen. Es geht
dem Landesmarketing darum, zu zeigen, dass MV ein Land fürs Leben ist. Dass es sich, trotz aller Probleme lohnt hier zu studieren, hier zu investieren, hier Ideen umzusetzen. Ich durfte mich
in der Welt umschauen. Ich war für das ZDF in halb Europa unterwegs, darüber hinaus in Kairo und in Washington. Jede Region steht im Wettbewerb um Zukunft und Ideen. Ich hoffe einfach, dass
ich für MV meine Erfahrungen einfließen lassen kann.
OZ: Sie sind Ehrenmitglied beim Grevesmühlener Heimatverein und Mitglied beim FC Hansa Rostock. In Sachen Fußball blutet einem Fan im Moment ein bisschen
das Herz, oder?
Kranz: Hansa ist ein Klub, mit dem man leiden muss. Da geht einem das Herz auf, wenn es läuft und dann gibt es Phasen, in denen man den Jungs am liebsten
zeigen möchte, wie Fußball geht. Ich glaube an Hansa. Rostock ist noch lange nicht in der dritten Liga.
Interview:
MICHAEL PROCHNOW