Peter Kranz

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IBIZA SUCHT DIE RUHE

Die "Isla Blanca" kommt langsam weg vom Party- und Drogenimage

Ibiza,  die Insel der unendlichen Nächte ist ruhiger geworden. Seit die Inselregierung Ernst macht und ihren Plan, aus der “Isla Blanca” ein zweites Edel-Mallorca zu machen, umsetzt, haben die Nächte Enden.
Punkt sechs Uhr herrscht Stille auf dem Eiland. Zumindest für zwei Stunden. Dann darf die "After Hour" gefeiert werden. Ab 8 Uhr - zum Beispiel in einer Bar in der Calle de la Virgen, im Herzen der Altstadt der Inselhauptstadt Eivissa. Dennoch sind die Zeiten einer ganzen Party-Inselkultur mit Durchtanzen bis zum Mittag vorbei. Denn wer treibt sich zwei Stunden lang umher, bevor es auf die nächste Party geht? Die Insel findet ins Bett, wenn auch längst nicht immer ins eigene. Erwachsener, kulturvoller, weniger schlecht beleumundet - das soll eine Wirkung sein. Und tatsächlich scheint das Jahr 2009, auch eines endlosen Sommers wegen, wieder besser zu laufen, für die Bar- und Kneipenbesitzer, die die Riesen-Diskotheken am Hafen von Eivissa oder an der Strasse nach San Antonio. Hollands DJ-Superstar Tiesto entert die Montagnacht im "Privilege", legt Trance und House auf und läßt sich von Tausenden feiern. Manche kommen nun schon kurz nach Mitternacht - ungewöhnlich früh für die Insel. Die Folgen der neuen Regelungen waren schon im letzten Jahr zuweilen komisch. So bewarb der Riesenclub “Space” seine berühmte “Matinee”, die zuvor in den frühen Sonntagmorgen-Stunden im Sand vor Plaja de en Bossa stattfand, als Abendparty. Beginn: Um 18 Uhr und dann die Nacht hindurch bis 6 Uhr. Rasend gelbe Bändchen wurden verteilt, die bis 20 Uhr freien Eintritt versprachen. Das musste der geübte Ibiza-Space-Abtänzer erst einmal verkraften. Es scheint sich eingespielt zu haben. Das Space feiert sich in diesem Jahr, dem 20. seit Eröffnung 1989.  
Partypeople auf Ibiza
Partypeople auf Ibiza

Der Zauber vergangener Zeiten blüht oft noch im Privaten. Die Zeiten der riesigen Raves und Mega-Partys sind nicht vorbei, aber es kommt doch alles verhaltener daher. Im letzten Jahr schrieb das Inselmagazin “Ibiza heute” von einer Midlife-Crises. Mag sein, dass durch die Wirtschaftskrise weniger junge Leute auf die "Isla Blanca" kommen, weniger Engländer sind es offensichtlich. Die Partyflieger, vor allem aus England, spucken weniger Partyvolk aus. Ist die Karawane weiter gezogen? Gassen und Hafenkai sind dennoch mit fröhlichen Menschen bevölkert, kreischend bunt kostümierte Werbetrupps stöckeln für die Partys in den Riesenclubs durch die Gassen. Auf der Terrasse des "Angelos", der besten Gaybar der Insel vermischen sich das Gelächter und die Sprachen der Gäste wie eh und je.

Traumhafte Ausblicke auf Ibiza
Traumhafte Ausblicke auf Ibiza

Die neue Politik mag 2008 unpopulär gewesen sein und zwangsläufig zu neuem Denken geführt haben. Den Stränden hat dies nicht geschadet. Am "Playa d´Cavallet" in Salinas, im Süden der Insel findet Platz, wer Platz sucht, findet Essen, Trinken und Musik, wer dies begehrt. Das Naturschutzgebiet mit seinen Dünen, den flachen Wassern der Salinen und ihren Vögeln ist deutlich markiert, eingegrenzt und wird zumeist auch von den Liebeshungrigen Besuchern männlichen Geschlechts respektiert. Keine Rede mehr von einer Schließung oder gar dem Abriss des homosexuellen Strandasyls, namens “Chiringay”. Das Restaurant am Strand, dessen Musik für nur 10 Euro auf CD zu haben ist, kann sich über entspannte Kundschaft nicht beklagen. 

 

Letztlich versöhnt die Sonne nämlich mit allem, was sich so ändert. Und ich bin gespannt, welche Ideen sich 2010 durchsetzen werden. Die weißen Strände, das kristallklare Meerwasser,  die vielen, immer neuen Partyideen der Clubs - das alles macht Ibiza weiter zur “Isla Bonita”. Auch wenn die Schminke nicht mehr ganz so grell leuchtet.